In einer Welt, in der du ständig unter Strom stehst und Erfolg an Schnelligkeit und Effizienz gemessen wird, erscheint der Blick zurück auf deine Wurzeln manchmal wie ein reiner Luxus – etwas, das man „nur so nebenbei“ macht, wenn noch Zeit übrig ist. Dabei liegt genau hier eine wichtige Ressource für deine Zukunft: Die Erforschung deiner Familiengeschichte ist kein nettes Extra, sondern ein essenzieller Baustein für dein ganz persönliches Wohlbefinden und deine innere Balance.

Als Trainerin für Biografisches Arbeiten und Genogrammarbeit erlebe ich täglich, wie das Eintauchen in die eigene Familiengeschichte spannende Geschichten ans Licht bringt und transformative Impulse setzt. Mit dem von Sabine Lück entwickelten Generation Code hast du einen klaren und strukturierten Rahmen in der Hand, der dir hilft, verborgene Einflüsse zu erkennen und harmonisch in dein Leben zu integrieren.

Warum also solltest du deine Zeit und Energie in die Erforschung deiner Vorfahren investieren? Hier sind fünf gewichtige Gründe, die dir zeigen, dass Ahnenarbeit weit mehr ist als ein bloßer Luxus – sie ist ein essenzieller Schritt hin zu einem bewussten, selbstbestimmten Leben.

1. Weil unbewusste Verhaltensmuster über Generationen weitergegeben werden

„Warum mache ich das immer wieder?“ Diese Frage stellst du dir vielleicht, wenn du feststellst, dass du trotz bester Vorsätze immer wieder in die gleichen Verhaltensmuster zurückfällst. Sei es die Angst vor Konflikten, die übermäßige Sorge um andere auf Kosten deines eigenen Wohlbefindens oder die Schwierigkeit, gesunde Grenzen zu setzen – oft haben diese wiederkehrenden Muster tiefe Wurzeln in deiner Familiengeschichte.

Die Systemische Therapie und die Epigenetik haben in den letzten Jahrzehnten faszinierende Erkenntnisse darüber geliefert, wie Traumata, Bewältigungsstrategien und Glaubenssätze über Generationen weitergegeben werden können. Diese Weitergabe erfolgt nicht nur durch bewusste Erziehung, sondern auch durch unbewusste Prozesse wie Rollenmodelle, nonverbale Kommunikation und sogar durch biologische Mechanismen.

Wenn deine Großmutter den Krieg erlebt hat und diese Erfahrung nie verarbeiten konnte, kann die daraus resultierende Angst und das Bedürfnis nach übermäßiger Sicherheit an deine Mutter weitergegeben worden sein. Diese wiederum könnte eine überbehütende Erziehung praktiziert haben, die in dir ein tiefes Gefühl von Unsicherheit und Abhängigkeit hinterlässt – ohne dass heute noch irgendjemand in dieser Kette versteht, woher diese Muster eigentlich stammen. Ich zum Beispiel dachte lange: „Mein Gott, als ich geboren wurde, war der Krieg 18 Jahre vorbei!“ Zur Erinnerung: Wir schreiben das Jahr 35 nach der deutschen Wiedervereinigung!

Durch bewusste Erforschung deiner Familiengeschichte werden diese verborgenen Zusammenhänge ans Licht gebracht. Schon dadurch, dass du erkennst: „Ah, diese ständige Sorge ist nicht nur meine, sondern ein Erbe meiner Familie“, kannst du dich etwas distanzieren. Es ermöglicht dir, Abstand zu nehmen und zu sehen, dass diese Muster in ihrer Entstehungszeit sinnvoll waren, aber in deinem heutigen Leben mehr hilfreich sind.

Eine Kundin entdeckte durch die Arbeit mit ihrem Genogramm, dass ihre Schwierigkeit, Erfolg zu genießen und anzunehmen, mit einer Familiengeschichte zusammenhing, in der erfolgreiche Menschen als unsozial und  überheblich kritisiert und abgelehnt wurden. Allein dieses Bewusstsein erlaubte ihr, ihre eigenen Erfolge neu zu bewerten und zu akzeptieren, dass ihr Erfolg niemanden bedroht oder verletzt.

2. Weil unverarbeitete Traumata über Generationen nachwirken können

Dass traumatische Erfahrungen nicht nur das Leben der direkt Betroffenen beeinflussen, sondern auch Auswirkungen auf nachfolgende Generationen haben können, ist inzwischen gut dokumentiert. Richard Rohr, amerikanischer Franziskanerpriester und Autor bringt es auf den Punkt: „If you don’t transform your pain, you will transmit it.“ Wenn Du Deinen Schmerz nicht transformierst, gibst du ihn weiter

Die Kinder und Enkel von Kriegsüberlebenden, Flüchtlingen oder Opfern von Gewalt zeigen oft Symptome, die direkt mit den Erlebnissen ihrer Vorfahren in Verbindung stehen – ohne dass sie selbst diese Erfahrungen gemacht haben. Die Erfahrungen können sich als unerklärliche Ängste, Depression, emotionale Taubheit oder körperliche Symptome manifestieren.

Rachel Yehuda, Professorin für Psychiatrie und Neurowissenschaft, hat in ihren Forschungen gezeigt, dass sogar die Genexpression durch Traumata verändert werden kann und diese Veränderungen an nachfolgende Generationen weitergegeben werden. Das bedeutet zum Glück nicht, dass du deshalb das Opfer deiner Familiengeschichte bist, sondern dass es Einflüsse gibt, die du bewusst erkennen und aktiv transformieren kannst.

Die Erforschung deiner Familiengeschichte bietet einen Weg, diese oft unbewussten Übertragungsprozesse sichtbar zu machen. Indem du die traumatischen Erfahrungen deiner Vorfahren anerkennst und würdigst, beginnst du, die Last zu transformieren, die auf deine Schultern gelegt wurde. Das ist weder Esoterik noch Zauberei, sondern ein Prozess der Integration und Heilung, der Zeit und oft professionelle Begleitung erfordert.

Ein besonders bewegendes Beispiel erlebte ich mit einer Klientin, deren Großvater im Zweiten Weltkrieg als Soldat desertiert war und der nach seiner Heimkehr nie über seine Erfahrungen sprach. Die Klientin litt unter einer diffusen Angst und dem Gefühl, ständig wachsam sein zu müssen. Durch die biografische Arbeit konnte sie einen Raum schaffen, um die unausgesprochenen Erfahrungen ihres Großvaters zu würdigen und gleichzeitig zu erkennen, dass sie selbst in einer anderen Zeit lebt und die ständige Alarmbereitschaft nicht mehr notwendig ist.

3. Weil deine Wurzeln ein stabiler Anker in einer sich schnell verändernden Welt sein können

„Wer bin ich?“ und „Wohin gehöre ich?“ – diese fundamentalen Fragen begleiten uns Menschen ein Leben lang. In einer globalisierten Welt, in der traditionelle Strukturen an Bedeutung verlieren und Mobilität selbstverständlich ist, kann es schwierig sein, ein stabiles Gefühl der Identität und Zugehörigkeit zu entwickeln.

Deine Vorfahren und ihre Geschichten bieten dir einen Anker in dieser sich ständig wandelnden Welt. Sie zeigen dir, dass du Teil einer Linie bist, die weit vor deiner Geburt begann und weit nach deinem Tod fortbestehen wird. Dieses Bewusstsein kann ein tiefes Gefühl der Kontinuität und Zugehörigkeit vermitteln.

Es geht dabei nicht um eine romantisierende Verklärung der Vergangenheit oder um eine Reduzierung deiner Identität auf deine Herkunft, sondern um eine Integration verschiedener Aspekte deines Seins.

Die Arbeit mit dem Generation Code nach Sabine Lück ermöglicht es, diese verschiedenen Einflüsse sichtbar zu machen und zu einer kohärenten Identität zu integrieren. Es geht darum, das Erbe deiner Vorfahren bewusst anzunehmen – mit all seinen Stärken und Schwächen – und gleichzeitig deinen eigenen Weg zu gehen.

Eine junge Frau, deren Vorfahren als Russland-Deutsche nach Deutschland kamen, beschrieb diesen Prozess als „das Finden meiner eigenen Melodie in der großen Symphonie meiner Familie“. Sie konnte durch die Auseinandersetzung mit ihrer Familiengeschichte ein neues Verständnis dafür entwickeln, wie verschiedene kulturelle Einflüsse sie geprägt hatten, und dadurch einen integrierteren Zugang zu ihrer multikulturellen Identität finden.

4. Weil in deiner Familiengeschichte ungeahnte Ressourcen und Stärken verborgen liegen

Deine Vorfahren waren selten auf Rosen gebettet. Sie haben persönliche Tragödien, politische Umwälzungen, Hungersnöte und viele andere Herausforderungen gemeistert. Sie haben Wege gefunden, durch schwierige Zeiten zu navigieren, Familien zu gründen und aufrechtzuerhalten und ihre Werte an die nächste Generation weiterzugeben – selbst unter widrigsten Umständen.

In diesen Geschichten des Überlebens und der Resilienz liegen unschätzbare Ressourcen verborgen. Wenn du dich mit den Lebenswegen deiner Vorfahren beschäftigst, kannst du Qualitäten und Stärken entdecken, die auch in dir schlummern mögen: Durchhaltevermögen, Kreativität, Anpassungsfähigkeit, Mut und vieles mehr.

Eine Frau, die mit beruflichen Herausforderungen kämpfte und an ihren Fähigkeiten zweifelte, entdeckte im Zuge ihrer Ahnenforschung, dass ihre Urgroßmutter als eine der ersten Frauen in ihrer Region ein eigenes Geschäft geführt hatte – in einer Zeit, in der dies alles andere als selbstverständlich war. Diese Entdeckung stärkte nicht nur ihr Selbstvertrauen, sondern gab ihr auch das Gefühl, Teil einer Tradition von starken, unternehmerischen Frauen zu sein.

Es geht bei dieser Arbeit nicht darum, die Vergangenheit zu idealisieren oder zu verklären. Deine Vorfahren waren Menschen mit Stärken und Schwächen, Erfolgen und Fehlern. Die bewusste Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte ermöglicht es dir, ein differenziertes Bild zu entwickeln und sowohl die positiven als auch die schwierigen Aspekte deines Erbes zu integrieren.

5. Weil die Versöhnung mit der Vergangenheit den Weg in die Zukunft freimacht

Nicht alle Familiengeschichten sind einfach zu akzeptieren. Vielleicht gab es tiefe Konflikte, Geheimnisse oder Tabuthemen, die bis heute nachwirken. Die Erforschung deiner Familiengeschichte bietet einen Raum, um auch mit diesen schwierigen Aspekten in Kontakt zu kommen und einen Weg zur Versöhnung zu finden – nicht im Sinne von Vergessen oder Entschuldigen, sondern im Sinne einer Integration dieser Erfahrungen in dein Verständnis von dir selbst und deiner Familie.

Es geht darum, deine Vorfahren in ihrem historischen und persönlichen Kontext zu sehen und zu verstehen, dass auch sie Produkte ihrer Zeit und ihrer eigenen Familiengeschichte waren. Dies kann dir helfen, Urteile loszulassen und ein tieferes Verständnis zu entwickeln – für sie und für dich selbst.

Eine besonders bewegende Erfahrung war die Arbeit mit einer älteren Dame, deren Vater im Nationalsozialismus aktiv gewesen war. Jahrzehntelang hatte sie diesen Teil ihrer Familiengeschichte verdrängt und mit Scham und Schuldgefühlen gekämpft. Durch die biografische Arbeit konnte sie einen Raum finden, um sowohl die Schuld ihres Vaters anzuerkennen als auch zu verstehen, dass diese Schuld nicht die ihre ist. Sie konnte beginnen, zwischen der Liebe zu ihrem Vater und der Ablehnung seiner Handlungen zu unterscheiden und dadurch einen Teil des schweren Erbes zu transformieren, das sie all die Jahre getragen hatte.

Luxus oder nicht? Die Erforschung deiner Familiengeschichte als Weg zu mehr Bewusstheit und Freiheit

Die Beschäftigung mit deinen Vorfahren und deiner Familiengeschichte ist kein nostalgischer Luxus, sondern eine grundlegende Investition in deine psychische und emotionale Gesundheit, deine Identität und deine Fähigkeit, bewusste Entscheidungen zu treffen.

Andererseits kannst du die Arbeit mit Genogramm und Generation Code gern auch als Luxus betrachten. Es ist eine Investition in dich selbst – von Zeit und ja auch Honorar – die du tätigst, um mehr Resistenz und Mut zu einem selbstbestimmten Leben zu entwickeln ohne immer wieder die selben Schleifen in deinem Leben zu ziehen.

Indem du verstehst, welche Muster, Traumata, Ressourcen und Geschichten du von deinen Vorfahren geerbt hast, kannst du eine größere Freiheit in deinem eigenen Leben entwickeln. Du kannst bewusst entscheiden, welche Aspekte dieses Erbes du bewahren und welche du transformieren möchtest.

Dein Weg erfordert Mut und Offenheit. Im Coaching bin ich an deiner Seite. Meine  professionelle Begleitung unterstützt und strukturiert deinen Prozess. Vor allem bin ich mit ganz viel Empathie und einer Prise Humor an deiner Seite, wenn der Weg schwierig oder unübersichtlich wird. 

Wer einmal erlebt hat, wie befreiend es sein kann, alte Familiengeschichten zu entwirren und verborgene Verbindungen sichtbar zu machen, betrachtet die Erforschung der eigenen Familiengeschichte nicht mehr als optionalen Zeitvertreib, sondern als wesentlichen Bestandteil einer Reise zu mehr Selbsterkenntnis, Leichtigkeit, Glück und innerem Frieden.

In diesem Sinne ist die Beschäftigung mit deinen Wurzeln vielleicht eine der wertvollsten Investitionen, die du in dich selbst machen kannst.