Kennst du das Gefühl, ein Muster längst verstanden zu haben und trotzdem wieder darin zu landen? Viele Verhaltensweisen, die uns hartnäckig begleiten, haben ihren Ursprung nicht in uns allein, sondern in der Geschichte unserer Herkunftsfamilie. In diesem Artikel erfährst du, warum wir immer wieder dieselben Fehler machen, was transgenerationale Prägungen damit zu tun haben und wie ein Blick auf deine Familiengeschichte etwas verändern kann.
Warum schon wieder
Du hattest es dir vorgenommen. Diesmal wird es anders. Vielleicht war es eine Beziehung, die wieder denselben Weg genommen hat wie die letzte. Oder eine Arbeitssituation, in der du dich wieder zu weit zurückgezogen hast, obwohl du dir geschworen hattest, diesmal für dich einzustehen. Oder ein Konflikt, der eskaliert ist, noch bevor du überhaupt wusstest, wie du hineingeraten bist.
Du hast das Muster erkannt. Du hast Bücher gelesen, vielleicht mit jemandem gesprochen, vielleicht lange allein darüber nachgedacht.
Und scheinbar bist du jetzt genau wieder hier. An diesem Punkt, der seltsam vertraut ist. Keine Panik! Das ist kein Versagen. Das ist eine Einladung, tiefer hinzuschauen.
Warum wir immer wieder dieselben Fehler machen, obwohl wir es besser wissen
Es gibt Verhaltensweisen, die wir für unsere eigenen halten, weil wir sie schon immer hatten. Es ist die Art, wie wir mit Konflikten umgehen oder sie vermeiden. Unsere Methode, Nähe zulassen oder auf Abstand gehen, wenn es ernst wird. Es ist unsere Angewohnheit, wie wir auf Erfolg reagieren, auf Enttäuschung, auf Kritik oder auf Verlust.
Dann denkst du, das sei eben deine Persönlichkeit oder dein Charakter. Manchmal stimmt das. Aber manchmal haben diese Reaktionen eine andere Wurzel.
Sie kommen aus der Familie.
Das klingt im ersten Moment vielleicht nach einer Ausrede, so als würdest du die Verantwortung abschieben. Aber darum geht es nicht. Es geht darum zu verstehen, woher ein Muster stammt. Denn erst wenn du verstehst, was da wirklich passiert, bekommst du die Chance, dieses Muster aufzulösen.
Stell dir vor, deine Mutter hat gelernt, niemals um etwas zu bitten. Lieber bitter werden, als die eigenen Bedürfnisse auszusprechen. Und schon ihre Mutter – deine Oma – hat gelernt, dass Bitten Schwäche bedeutet. Weil ihre Mutter – also deine Urgroßmutter – in einer Zeit groß wurde, in der Frauen sich den Männern der Familie (erst dem Vater und den Brüdern, später dem Eheman) unterordnune mussten und noch keine Rechte besaßen und keine Wahl zu haben glaubten. Diese Überzeugung war in der Gesellschaft manifestiert und sie wurde weitergegeben durch Blicke, durch Schweigen, durch das, was in der Familie als selbstverständlich galt.
Und jetzt bist du 53 und fragst dich, warum du dich so schwertust, deine eigenen Bedürfnisse klar auszusprechen? Obwohl wir in ganz anderen Zeiten leben?
Als meine Mutter an Demenz erkrankte, war schnell klar, wer die Pflege übernimmt. Nicht weil es jemand so entschieden hätte. Es „passierte“ einfach. Für mich war es selbstverständlich, dass ich es bin. Mein Bruder war entschuldigt, weil er den weiteren Weg hatte und kam vorbei, wenn es passte. Ich war da, wenn es nötig war. Und das war häufig mehrmals pro Woche.
Irgendwann wurde mir klar: Meine Mutter hatte dasselbe gelebt. Sie war es, die sich um meine Großmutter gekümmert hat. Mein Onkel kam zum Kaffeetrinken. Und wurde dafür gefeiert.
Lass es uns wertfrei betrachten. Das ist weder ein böser Wille, noch ein bewusster Plan. Das ist ein Muster, das sich von einer Generation zur nächsten übertragen hatte — und das ich selbst lange für normal gehalten hatte, weil es in meiner Familie eben normal war.
Ein Werkzeug, das sichtbar macht, was unsichtbar wirkt
Es passiert oft, dass ich mit Frauen arbeite, die genau das beschreiben. Sie haben dieses Gefühl, ein Muster zu kennen und es trotzdem nicht abstreifen zu können. Dann arbeite ich oft mit einem Werkzeug namens Genogramm.
Ein Genogramm ist, vereinfacht gesagt, ein erweiterter Stammbaum. Er enthält mehr als Geburts- und Sterbedaten. Er zeigt Beziehungen, Brüche, Wiederholungen. Mithilfe der grafischen Darstellung macht das Genogramm sichtbar, was sich über Generationen zieht. Die Frauen, die immer funktioniert haben. Die Männer, die nie über ihre Gefühle gesprochen haben. Die Kinder, die früh Verantwortung übernommen haben. Lauter Themen, über die nie geredet wurde.
Ein Genogramm anzuschauen ist ein bisschen wie: Du stehst vor einem großen Bild, das du schon immer nur aus nächster Nähe betrachtet hast. Und nun plötzlich trittst du einen Schritt zurück und siehst das Ganze.
Das verändert etwas. Nicht, weil du auf einmal jemanden anklagen würdest. Wir arbeiten möglichst ohne Bewertung, denn wir können nicht wirklich „in den Schuhen“ unserer Ahninnen gehen. Es ist der Moment des Verstehens, der seine eigene Kraft hat. Wenn du siehst: Ich trage das mit mir und es war nie meins allein.
Ich hatte nur eine verschwommene Idee davon, was ein Genogramm eigentlich ist, und war neugierig, wie man damit Familienmuster sichtbar machen kann. In Eva Helms sehr liebevoll angeleiteten Kurs hatte ich gezielt meine Großmutter väterlicherseits in den Blick genommen, über die ich bisher nur wenig wusste. Die vielen Parallelen zwischen uns haben mich überrascht – sie ist mir sehr nah gekommen. Ich spüre jetzt noch deutlicher das emotionale Band über Zeit und Raum hinweg, das besonders uns Frauen miteinander verbindet. (Susanne)
Was das mit deinem jetzigen Leben zu tun hat
Du stehst gerade an einem Übergang. Vielleicht ist da ein Einschnitt, der alles verändert hat — eine Trennung, ein berufliches Ende, ein Verlust, oder einfach das deutliche Gefühl, dass die erste Hälfte deines Lebens vorbei ist und die zweite noch keine klare Form hat.
In solchen Momenten kommen Muster besonders deutlich an die Oberfläche. Und das ist ein gutes Zeichen. Denn was sichtbar ist, kann angeschaut werden. Und was angeschaut wird, verliert seinen unbewussten Einfluss.
Für die Arbeit mit dem Genogramm musst du nicht deine ganze Familiengeschichte kennen. Du brauchst keine Antworten auf alte Wunden haben. Du solltest nur bereit sein, neugierig zu schauen.
Das geht in kleinen Schritten und gleichzeitig oft schneller, als gedacht. Viele Frauen, die anfangen, ihre Familiengeschichte zu erkunden, sagen: Hier ist etwas, was ich schon lange innerlich gespürt habe. Etwas, das ich schon lange wissen wollte.
Ein erster Schritt, wenn du neugierig bist
Wenn dich das anspricht und wenn du vielleicht selbst ein Muster kennst, das sich hartnäckig hält, bei dem du dich fragst, ob da vielleicht mehr dahintersteckt — dann habe ich etwas für dich.
Mein kostenloses Workbook „Der rote Faden“ lädt dich ein, deiner eigenen Lebensspur nachzugehen. Du zeichnest eine Linie, quasi das Flussbett deines Lebens und entdeckst dabei die Glücksmomente, die dich getragen haben, und die Prägungen, die dich bis heute begleiten. In 20 bis 30 Minuten findest du einen kraftvollen Satz aus der Tiefe deines Seins und eine erste Idee für deinen nächsten Schritt.
Du brauchst dafür keine Vorkenntnisse. Nur ein bisschen Zeit und die Bereitschaft, auf dich und deine Geschichte zu hören.
Die Tür steht offen. Du entscheidest, ob du eintrittst.
