Im Genogramm steht ein Quadrat für einen Mann und ein Kreis für eine Frau. Horizontale Linien zeigen Partnerschaften, vertikale Linien verbinden Eltern und Kinder. Weitere Linienarten beschreiben, wie nah, distanziert oder konfliktreich eine Beziehung war.

Ein Genogramm ist ein Familiendiagramm über mehrere Generationen. Es sieht auf den ersten Blick aus wie ein Stammbaum, zeigt aber mehr: nicht nur, wer mit wem verwandt war, sondern auch, wie Menschen miteinander gelebt haben. Wie du ein Genogramm aufbaust, erkläre ich im Grundlagenartikel Was ist ein Genogramm?.
Hier findest du die wichtigsten Genogramm-Symbole erklärt, von den Grundzeichen für Personen bis zu Nähe, Distanz, Konflikt und Kontaktabbruch.
In diesem Artikel
Genogramm-Symbole im Überblick
Viele Grundsymbole sind in der Genogrammarbeit weit verbreitet. Sie gehen auf Monica McGoldrick und Randy Gerson zurück. Im Detail findest du aber Abweichungen, je nach Fachbuch, Schule und Programm. Bleib deshalb innerhalb eines Genogramms bei einem Zeichensystem.
Die wichtigsten Genogramm-Symbole auf einen Blick
Viele Grundsymbole sind in der Genogrammarbeit weit verbreitet. Sie gehen auf Monica McGoldrick und Randy Gerson zurück. Im Detail findest du aber Abweichungen, je nach Fachbuch, Schule und Programm. Bleib deshalb innerhalb eines Genogramms bei einem Zeichensystem.
Die Symbole sind eine gemeinsame Sprache. Entscheidend ist, dass dein Genogramm für dich eindeutig lesbar bleibt.
Symbole für Personen im Genogramm
Die Grundsymbole sind einfach: Ein Quadrat steht für einen Mann, ein Kreis für eine Frau. Ein X durch das Symbol kennzeichnet eine verstorbene Person.
Geburtsjahr, Sterbejahr oder Alter kannst du am Symbol ergänzen. Manche tragen das Alter in den Kreis oder das Quadrat ein, andere schreiben Jahreszahlen daneben.
Wichtiger als die Platzierung ist die Einheitlichkeit: Wenn du dich für eine Darstellung entschieden hast, behalte sie im gesamten Genogramm bei.
Schwangerschaft, Fehlgeburt und Schwangerschaftsabbruch
Auch für Schwangerschaften und frühe Verluste gibt es gebräuchliche Zeichen. Hier unterscheiden sich die Systeme stärker.
Ein Dreieck steht häufig für eine Schwangerschaft. Fehlgeburt, Schwangerschaftsabbruch und Totgeburt werden durch zusätzliche Zeichen unterschieden.
Lege bei diesen Symbolen unbedingt eine Legende an, damit später eindeutig bleibt, was du dargestellt hast.
Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung
Seit einiger Zeit gibt es auch für diese Themen verschiedene Symbolsysteme. In neueren Konventionen werden zum Beispiel Kombinationen aus Kreis und Quadrat oder zusätzliche Zeichen verwendet.
Wenn Geschlechtsidentität oder sexuelle Orientierung für deine Fragestellung wichtig sind, ist eine klare Beschriftung oft hilfreicher als ein kompliziertes Zeichensystem, dessen Bedeutung später niemand mehr kennt.

Fiktives Beispiel
Symbole für Personen
| Symbol | Bedeutung |
|---|---|
| Quadrat | Mann |
| Kreis | Frau |
| X durch Quadrat oder Kreis | verstorbene Person |
| Doppelte Umrandung | Indexperson (die Person, um die es im Genogramm geht, meist du selbst) |
| Zahl im Symbol | Alter |
| Jahreszahlen neben dem Symbol | Geburts- und Sterbejahr |
Symbole für Partnerschaften
| Darstellung | Bedeutung |
|---|---|
| durchgezogene horizontale Linie | Ehe oder feste Partnerschaft, je nach System |
| gestrichelte horizontale Linie | unverheiratetes Zusammenleben |
| ein Schrägstrich durch die Partnerlinie | Trennung |
| zwei Schrägstriche durch die Partnerlinie | Scheidung |
Symbole für Beziehungsqualitäten
| Darstellung | Bedeutung |
|---|---|
| doppelte Linie | enge Beziehung |
| drei parallele Linien | sehr enge oder verstrickte Beziehung |
| gestrichelte Linie | Distanz |
| Zickzacklinie | Konflikt |
| markierte Unterbrechung | Kontaktabbruch |
Gut zu wissen: Es gibt verbreitete Genogramm-Konventionen, aber kein Zeichensystem, das in jeder Publikation identisch verwendet wird.
Partnerschaft, Trennung und Scheidung darstellen
Partnerschaften werden durch horizontale Linien zwischen zwei Personen dargestellt.
Eine durchgezogene Linie steht in vielen Systemen für eine Ehe, eine gestrichelte oft für ein unverheiratetes Zusammenleben.
Eine Trennung wird durch einen Schrägstrich auf der Verbindungslinie gekennzeichnet, eine Scheidung durch zwei Schrägstriche. Das Jahr der Heirat, Trennung oder Scheidung kannst du direkt an der Linie notieren.
Die Unterscheidung ist wichtig, weil die formale Familienstruktur etwas anderes beschreibt als die Qualität der Beziehung. Zwei Menschen können jahrzehntelang verheiratet gewesen sein und emotional weit voneinander entfernt gelebt haben. Umgekehrt kann eine Beziehung nach einer Scheidung innerlich noch lange weiterwirken.
Eltern, Kinder und Geschwister im Genogramm
Kinder werden über eine vertikale Linie mit der Partnerlinie ihrer Eltern verbunden. Geschwister stehen auf einer gemeinsamen horizontalen Linie, üblicherweise nach Geburtsreihenfolge von links nach rechts. Adoptiv- und Pflegekinder sowie Zwillinge werden mit zusätzlichen Linien gekennzeichnet, meist gestrichelt bzw. von einem gemeinsamen Punkt ausgehend.
Für die biografische Arbeit musst du nicht jedes denkbare Symbol auswendig kennen. In meinem Genogrammkurs lernst du die wichtigsten Zeichen beim Aufbau deines eigenen Genogramms Schritt für Schritt kennen.
Beziehungsqualitäten im Genogramm darstellen
Bis hierhin unterscheidet sich ein Genogramm noch nicht stark von einem erweiterten Stammbaum. Interessant wird es, wenn du einzeichnest, wie Menschen miteinander verbunden waren:
- doppelte Linie: enge Beziehung
- drei parallele Linien: sehr enge oder verstrickte Beziehung
- gestrichelte Linie: distanzierte Beziehung
- Zickzacklinie: konfliktreiche Beziehung
- unterbrochene oder besonders markierte Linie: Kontaktabbruch
Auch hier gibt es Varianten, und auch hier entscheidet deine Legende.
Halte dabei zwei Ebenen auseinander: Die Partnerlinie sagt etwas über die formale Verbindung. Die Beziehungslinie beschreibt, wie diese Beziehung erlebt wurde. Beides kann sehr verschieden sein.
Meine Vorschläge für Linienarten, das sich daran orientiert, findest du mit Beispielen im Artikel Beziehungen im Genogramm darstellen.
Ein Genogramm zeigt nicht nur, wer mit wem verbunden war. Es kann auch sichtbar machen, wie diese Verbindung gelebt wurde.
Farben im Genogramm verwenden
Farben sind kein fester Bestandteil eines Genogramms. Sie helfen aber, wenn du ein Thema über mehrere Generationen verfolgen möchtest. Du kannst zum Beispiel markieren:
- Berufe
- Ortswechsel und Migration
- Erkrankungen
- Verluste
- besondere Fähigkeiten
- Beziehungsmuster
- Frauen- oder Männerlinien
- wiederkehrende Rollen
- historische Erfahrungen
Welche Farben du wählst, entscheidest du selbst. Von festen Bedeutungen wie „rot ist Konflikt" halte ich wenig. Die Farbe soll deiner Fragestellung dienen. Willst du wissen, in welchen Generationen Frauen berufstätig waren, markierst du genau das. Für eine andere Frage nimmst du eine neue Kopie des Grundgenogramms und setzt die Farben anders.
Eine Frage für dich: Welches eine Thema möchtest du in deinem Genogramm einmal über mehrere Generationen hinweg verfolgen?
Warum du eine Legende anlegen solltest
Sobald du eigene Farben, Linien oder Markierungen verwendest, brauchst du eine kleine Legende. Das gilt besonders, wenn du mit mehreren Genogrammen oder Fragestellungen arbeitest. Zum Beispiel:
- Blau = Ortswechsel
- Gelb = Studium oder Ausbildung
- Punktierte Linie = Beziehung nur aus Erzählungen bekannt
- Stern = besondere Ressource
- Fragezeichen = Information nicht gesichert
Entscheidend ist, dass du später noch unterscheiden kannst, was du weißt, was dir erzählt wurde und was deine eigene Deutung ist. Diese Unterscheidung ist für mich ein wesentlicher Teil der Genogrammarbeit.
Wie schwierig diese Unterscheidung gerade bei fehlenden oder widersprüchlichen Informationen werden kann, beschreibe ich ausführlicher im Artikel „Was in meiner Familie nicht erzählt wurde – Leerstellen in der Familiengeschichte“.
Was Genogramm-Symbole über deine Familiengeschichte zeigen können
Die Symbole selbst erklären deine Familiengeschichte noch nicht. Ein Quadrat sagt dir, dass dort ein Mann eingetragen wurde. Eine Zickzacklinie sagt dir, dass du eine Beziehung als konflikthaft beschrieben hast. Erst wenn du mehrere Informationen nebeneinander betrachtest, entstehen Fragen.
Vielleicht fallen dir mehrere Frauen auf, die früh verwitwet waren und allein Verantwortung übernehmen mussten. Vielleicht siehst du Kontaktabbrüche zwischen Müttern und Töchtern. Oder in jeder Generation hat jemand die Familie verlassen, während eine andere Person zurückblieb und Verantwortung übernahm.
Dann beginnt die eigentliche Genogrammarbeit. Du kannst fragen:
- Was ist tatsächlich dokumentiert?
- Was wurde in meiner Familie erzählt?
- Wer hat diese Geschichte erzählt?
- Welche Zusammenhänge vermute ich?
- Welche Bedeutung gebe ich ihnen heute?
Ein Genogramm besteht nicht nur aus objektiv belegbaren Informationen. Darin können dokumentierte Fakten, Familienerzählungen, Erinnerungen und deine heutige Wahrnehmung nebeneinanderstehen.
Eine Linie ist noch keine Erklärung
Sei bei Beziehungslinien vorsichtig mit schnellen Schlüssen. Wenn du zwischen Mutter und Tochter eine Konfliktlinie einzeichnest, weißt du noch nicht, warum der Konflikt bestand. Vielleicht kennst du nur eine Seite. Vielleicht gab es Lebensbedingungen, Erwartungen oder Verluste, von denen du bisher wenig weißt.
Das Genogramm macht den Zusammenhang zunächst sichtbar. Danach kannst du genauer hinschauen. Familiengeschichte zu erforschen heißt nicht, rückwirkend über Menschen zu urteilen. Es heißt, ihre Lebensbedingungen, Entscheidungen und Beziehungen differenzierter zu betrachten. Mehr zu wiederkehrenden Rollen und Erfahrungen findest du im Artikel Familienmuster erkennen.
Vom Genogramm zur biografischen Souveränität
Unter biografischer Souveränität verstehe ich die Fähigkeit, die eigene Geschichte und die der Herkunftsfamilie zu kennen, zu würdigen und ihr selbst eine Bedeutung zu geben, statt sie unbewusst weiterzutragen.
Ein Genogramm kann dafür eine Grundlage sein. Es zeigt dir, welche Menschen, Erfahrungen und Vorstellungen vor dir da waren. Vielleicht wird sichtbar, dass Vorstellungen von Pflicht, Stärke, Familie oder Erfolg nicht erst mit dir begonnen haben. Gleichzeitig findest du Fähigkeiten, Entscheidungen und Ressourcen, auf die du heute mit einem anderen Blick schaust.
Damit verändert sich die Frage. Sie lautet nicht mehr nur: Woher kommt das? Sondern auch: Welche Bedeutung möchte ich diesem Teil meiner Geschichte heute geben?
Du kannst würdigen, was Menschen vor dir getragen haben, ohne alles weitertragen zu müssen.
Häufige Fragen zu Genogramm-Symbolen
Welches Symbol steht im Genogramm für Frau und Mann?
Ein Kreis steht für eine Frau, ein Quadrat für einen Mann. Eine verstorbene Person kennzeichnest du mit einem X durch das Symbol.
Wie zeichnet man eine Scheidung im Genogramm?
Durch die horizontale Partnerlinie zeichnest du zwei Schrägstriche. Eine Trennung wird mit einem Schrägstrich dargestellt. Das Jahr kannst du an die Linie schreiben.
Was bedeutet eine Zickzacklinie im Genogramm?
Sie steht für eine konfliktreiche Beziehung. Sie sagt aber nichts darüber, warum der Konflikt bestand. Das ist eine Frage für die weitere Recherche.
Wie stellt man einen Kontaktabbruch im Genogramm dar?
Die Verbindungslinie zwischen den beiden Personen wird unterbrochen oder besonders markiert. Ein Eintrag in der Legende macht deutlich, was du damit meinst.
Gibt es eine einheitliche Norm für Genogramm-Symbole?
Es gibt weit verbreitete Konventionen, aber keine verbindliche Norm. Vor allem bei Schwangerschaft, Fehlgeburt oder Geschlechtsidentität unterscheiden sich die Systeme. Deshalb ist eine Legende sinnvoll.
Wer ist die Indexperson im Genogramm?
Die Indexperson ist die Person, um die es im Genogramm geht, in der biografischen Arbeit meist du selbst. Du erkennst sie an der doppelten Umrandung des Symbols.
Brauche ich Farben im Genogramm?
Nein. Farben sind optional und hilfreich, wenn du ein bestimmtes Thema über mehrere Generationen verfolgen willst.
Wenn du dein eigenes Genogramm erstellen möchtest
In meinem fünfteiligen Onlinekurs „Deine Familiengeschichte im Genogramm" erstellst du dein Genogramm über vier Generationen. Wir verbinden Namen und Daten mit Beziehungen, Lebensereignissen und Zeitgeschichte. Du untersuchst, welche Erfahrungen, Vorstellungen und Rollen in deiner Familie sichtbar werden und welche Bedeutung sie für dein Leben haben.
Es geht nicht darum, möglichst schnell ein Familienmuster zu finden, sondern darum, genau hinzusehen und zwischen Fakten, Überlieferungen, Vermutungen und deiner heutigen Perspektive zu unterscheiden.

Eva Helms begleitet Frauen in der zweiten Lebenshälfte dabei, sich mit der eigenen Geschichte und der ihrer Herkunftsfamilie zu versöhnen. Sie arbeitet mit biografischem Schreiben, Genogramm und der Methode Generation Code (ausgebildet bei Sabine Lück). Sie ist Autorin im Ernst Reinhardt Verlag und unterrichtet u. a. bei der EEB Sachsen und der Parisax Akademie.
